Welchen Traum hast Du? Du hast keine Träume? Kann nicht sein. Hat nicht jeder Mensch einen großen Traum? Etwas nach dem er strebt?
Als Kind war ich die reinste Leseratte, ich verschlang jedes Buch. Romane boten mir eine Zuflucht, öffneten mir Türen in Traumwelten. Ist es nicht naheliegend, dass ich Schreiben wollte? Auch ich wollte Traumwelten schaffen, wollte meinen Lesern kleine Fluchten ermöglichen.
Ein großer Traum
Schriftsteller*in wird man nicht über Nacht. Ich habe gerne Geschichten erzählt, habe sogar einmal einen Preis für eine Kurzgeschichte gewonnen. Wenn ich geschrieben habe, tat ich es rein intuitiv. Wenn sich jemand neben mich setzte und einen Bleistift zückte, war ich glücklich. Schreiben war wie eine Therapie, es war Meditation, es war das aller Größte. In der Schule sollten wir unsere Berufswünsche nennen, ich überlegte lange, wollte nicht mit der Sprache herausrücken, denn mein Berufswunsch war kein Üblicher. Schriftsteller*in kann man nicht lernen. Es musste mir etwas anderes einfallen, doch mir fiel nichts ein. Ich entschied mich Werbetexter zu werden. So konnte ich wenigstens mit dem Schreiben Geld verdienen. Ich bewarb mich bei unzähligen Werbeagenturen, fragte nach einem Praktikumsplatz, doch wollte mich keine Agentur. Gut dachte ich, dann werde ich Journalist, die drei Zeitungen, die es damals in Düren gab, erklärten, dass ich mit meinem Rollstuhl nicht die Treppe hochkäme. Unsere Lehrerin, die uns bei der Suche nach einem Praktikumsplatz betreute war verzweifelt. Sie bat mich um Verzeihung, da Sie mir nicht helfen konnte. Ich beruhigte Sie und erklärte, dass diese beiden Berufe nur Ausflüchte gewesen wären. Eigentlich wollte ich Schriftsteller werden. Ich schrieb einen Brief an einen Autor, den ich sehr verehrte, schickte ihn aber nicht ab, es war nur eine Hausaufgabe, doch nachdem ich diesen Brief beendet hatte, wusste ich, dass der Beruf des Schriftstellers mein innigster Wunsch war.
1994, in der Herbstausgabe unserer Schülerzeitung wurde den Schülern eine Aufgabe gestellt: „Schreibt einen Beitrag für uns!“
Ein Wettbewerb, da musste ich mitmachen. Mein eingereichter Beitrag, eine Science-Fiction Satire, schaffte es auf den ersten Platz. Leider, ich hatte nun Blut geleckt. Wenn man einmal Erfolg hat, dann möchte man das immer wieder erleben.
Als ich 2018 meinen Erstling in den Armen hielt, hatte ich ein ähnlich berauschendes Gefühl. Ich schreibe, weil ich Bücher liebe. Hoffentlich merkt man das den Büchern auch ein wenig an. Nach all den Jahren bin ich aber der kleine Junge geblieben, der sich in andere Welten flüchtet.
Denkt immer daran,
Literatur ist Leben
Eure Desirèè Ange
