„Sie erhoben sich, schlenderten zu der Tanzfläche, schmiegen sich im Tanz aneinander“.
Ange Desireè: Branding ins Herz. Seite 127)
Die ich Erzählerin betrachtet zwei tanzende Frauen. Das eine ist die Lebensgefährtin ihrer Mutter das andere ist ihre Mutter. Zunächst steigt so etwas wie Scham in ihr auf, sie sieht sich um, erkennt das es die anderen Gäste nicht zu stören scheint. Daraufhin beruhigt sie sich. Was ist normal? Ist nicht alles, ist nicht jede Form von Beziehung normal? Wir blicken von unserem Standpunkt aus auf ein tanzendes Paar, wir treffen unser Urteil, dabei ist es doch einfach, eine andere Perspektive einzunehmen. Ich nenne diesen Block mehr Diversität wagen, ich weiß, dass dies vermessen ist. Einberühmter deutscher Politiker hielt einst eine geniale Rede, er überschrieb sie mit mehr Demokratie wagen. Ich möchte mich nicht auf eine Stufe mit Willi Brandt stellen, aber meine Botschaft istebenfalls wichtig. Wenn ihr Lust habt, einmal ein wenig über den Tellerrand zu schauen und eine tolle Rede lesen wollt, dann klickt auf den folgenden Link:
In der Literatur vermissen wir Diversität.
Die Film Branche macht es uns vor
Vor einigen Jahren erschütterte eine Seriennominierung die Kultur Szene. Eine Streaming Serie von Amazon Transparent räumte bei dem bedeutenden Fernsehpreisen ab. Die Hauptfigur ist ein Familienvater, der seine Weiblichkeit entdeckt. Ein erwachsener Mann, ein Familienvater der sich outet. Eine Revolution. Gespannt saß ich mit meiner Frau vor dem Fernsehgerät, für uns war dies die erste Berührung mit einer diversen Serie. Ich persönlich wurde schon von der ersten Sequenz abgeholt. Meine Liebste war ein wenig kritischer eingestellt. Wo will die Serie hin, fragte sie. Dann, Spoiler Alarm, kam diese Szene, die einen zu Tränen rührt. Die Hauptfigur steht das erste Mal in einem Kleid vor einem Spiegel. Es ist einfach Wahnsinn, die Freude in ihren Augen zu sehen.
Spoiler Ende!
Wenn ihr jetzt unbedingt reinschauen müsst, hier der Link:
Jetzt bin ich aber froh, dass ihr nach vier Staffeln Transparent zurück zudiesem Blog gefunden habt.
Seit der Ausstrahlung dieser Serie hat sich viel in der Film- und Serienlandschaft getan, sogar ARD und ZDF haben Serien mit nonbinären Rollen gestartet.
Was heißt nonbinär? Sprechen wir nicht nur von schwul und lesbisch? In der Gesellschaft existiert inzwischen eine Kluft, warum können wir nicht die Geschlechterdiversität akzeptieren? Im Grunde genommen ist es doch jedem selbst überlassen, zu welchem Geschlecht sie oder er sich zugehörig fühlt.
Die ZDF Serie Loving Her, erleben wir, einen sensiblen Umgang mit dem Thema Diversität.
Warum begeistert mich die Serie Loving Her? Die Regisseur:in inszeniert die Miniserie unverkrampft. Wir sehen wie zwei Frauen sich küssen und es wirkt nicht aufgesetzt. Nicht vielen Serien gelingt das, manche Produktionen wollen krampfhaft divers sein und dadurch wirkt vieles gekünstelt. Im Film und Serienbereich haben die Macher:innen inzwischen den Dreh raus. Die Kamera ist scheinbar leichter zu bespielen als ein Roman. Unsere Romanautor:innen sind in ihrer eigenen Welt gefangen. Im direkten Vergleich zur Film- und Serienwelt können sie auch nur verlieren, da das Romane schreiben ein einsamer Beruf ist.
Wie man es nicht machen sollte
Wer mich kennt, weiß, dass ich Autorenkollegen:innen nicht verreiße. Wenn mir ein Roman nicht gefällt, schreibe ich nicht über das entsprechende Buch, ich würde denken, dass es eine Leser:in gibt, der dieses Buch gefällt. Es ist nicht an mir den Stab über eine Kollegin zu brechen. Eine erfolgreiche Autorin mit einer enorm großen Fangemeinde, die Rede ist von Nora Roberts, hat einen Code entwickelt. Ihre Romane beginnen mit einer fesselnden Eröffnungsszene. Als Leser:in ist man im Bann. Wie wird die Romanfigur aus dieser Notlage herausfinden? Dann kommt ein Bruch, fünf Jahre später. Fünfzehn Jahre später. 25 Jahre später. Eine andere Romanfigur wird eingeführt, meist entwickelt sich eine Liebesgeschichte zwischen Figur eins und Figur zwei. Ich nenne das den Nora Roberts Code. Die Romane haben einen Unterhaltungswert, sie sind leicht zu konsumieren. Meine Frau ist ein Fan von ihr. Zusammen haben wir bereits 50 Bücher von ihr gefressen. Ich plane, eineneigenen Blog mit dem Titel der Nora Roberts Code. Ihr könnt Mitte nächsten Jahres damit rechnen.
Nora Roberts hat in den 49 Romanen, die wir von ihr gelesen hatten, nie eine homosexuelle Figur. Ihre Welt war rein hetero. Anfang dieses Jahres kauften wir uns ein Hörbuch mit dem Titel Mondblüte. Die Romanheldin hatte plötzlich einen schwulen Freund. Unglaublich, aber wahr. Nora Roberts schreibt eine Fantasy Reihe, in der ein homosexueller Mann erwähnt wird. Ich hoffe ihr haltet mich jetzt nicht für böse, doch ich vermute, dass Nora Roberts begriffen hat, dass es so etwas wie eine LGBTIQ + Community gibt. Vermutlich werden jetzt in allen folgenden Romanen diverse Figuren auftauchen. Das ist natürlich die Holzhammer Methode. So sollte man es nicht machen. Wenn euch der Roman interessiert, hier ist der Link zum Taschenbuch:
Ein alter Meister
Ken Follet hat in den mehr als 40 Jahren seiner Arbeit nichts an Aktualität verloren. Ihm gelingt es die komplexesten Themen in einem Roman zu verpacken und er war schon immer divers. Im Thriller Die Leopardin muss die Romanheldin binnen kürzester Zeit eine militärische Einsatztruppe zusammenstellen. Sie wendet sich in ihrer Not an ihren Bruder. Der in der LGBTIQ Szene der 1940iger Jahre bekannt ist. Dieser kennt eine Fernmeldetechniker: in. Greta ist eine Trans-Frau. Ken Follet beschreibt die Figuren ohne irgendwelche Koketterien. Als Leser:in bekommt man den Eindruck, er macht keine Unterschiede. So etwas erwarte ich von einem Roman. Wir Autor:innen mehr Diversität wagen. Aber wir sollten es wollen, nicht müssen. Wenn ihr Lust auf diesen Roman habt, der sehr gut gealtert ist, folgt dem Link:
Fazit
Die Serien und Filmindustrie hat die Nase voll. Sie produzieren diverse Filme und Serien, welche die Diversität nicht überbetonen. In der Literatur tun wir Autor:innen uns noch schwer. Wir sind viel zu ichbezogen, wenn wir Heteros sind, dann sind auch unsere Romanfiguren meistens Heteros. Wir sollte mehr Diversität wagen, doch sollten wir es nicht übers Knie brechen.
Schreibt mir bitte, was ihr von diesem Blog haltet, das Foto ist ein wenig klischeehaft. Ich habe es gewählt, um euch zu provozieren.
Denkt immer daran Literatur ist Leben
Eure Desirèè Ange

