Zum Inhalt springen

Haut

Sie kleidet uns. Wir werden von ihr mit einem Schutz umgeben. Ohne Sie könnten wir keine Berührung empfinden. Es ist unser größtes Organ, ich spreche von der Haut.

Diese Körperhülle ist lebensnotwendig, somit ist sie etwas Schönes, etwas, was uns durch unser Leben begleitet. Einige geblendete Menschen wollen die Schönheit der Haut nicht sehen, sie nehmen nur die Hautfarbe wahr. Warum kann so etwas wundervolles uns einerseits schützen und andererseits ausgrenzen? Die Diskriminierung, die mit der Hautfarbe einher geht, ist Jahrhunderte alt. Auch in der Literatur begegnet sie uns.

Der Jahrhundert Roman – Vom Winde verweht

1997 hatten wir in unserer Schule die Chance vierzehn Tage Praktika zu machen. Ich wollte Schriftsteller werden und war verzweifelt. Welcher Autor:innen würde mich über ihre Schulter blicken lassen? Ich bewarb mich bei allen Dürener Zeitungen, fragte, ob ich dort hinein schnuppern dürfte. Die Chefredakteure waren zunächst begeistert, bis sie hörten, dass ich auf den Rollstuhl angewiesen bin. Ich erhielt eine Absage nach der anderen. Die Diskriminierung von behinderten Menschen wäre auch einen Blog wert, vielleicht mach ich das in der Zukunft. Die Zeitungswelt war mir verbaut, so bewarb ich mich um einen Praktikumsplatz in der Werbebranche. Ihr vermutet richtig, dieselbe Reaktion. Unsere Lehrerin, die sich eigentlich heraushalten wollte, sie wollte das wir es eigenständig schaffen, machte eine Ausnahme und telefonierte alle Institutionen bei denen ich mich beworben hatte, noch einmal ab. Nichts zu machen. Frustriert bat sie mich zum Gespräch. Sie fragte, wie ich mir meine Zukunft vorstelle. Ich erklärte, dass mich meine Mitschüler ein wenig ausbremsten, sie waren blind, konnten aber ihre Hände nutzen. Im Deutschunterricht z.B. hieß das, es wurde ein Text diktiert und sie mussten mitschreiben, ich saß teilnahmslos daneben. Verlorene Zeit für mich. In einer Schule für Körperbehinderte wäre es vielleicht anders, dachte ich. Das sagte ich auch zu unserer Lehrerin.

Am nächsten Tag kam sie auf mich zu und erklärte, sie hätte die optimale Lösung. Sie hatte in Ravensburg einen Praktikumsplatz in einer Schule für körperbehinderte aufgetan. Leider würde es für mich eine Woche später los gehen, was bedeutet, meine Klassenkameraden hätten ihre erste Praktikumswoche schon hinter sich. Der Regelunterricht würde wegfallen, und ich müsste in eine mir fremde Klasse down graden. Ich hatte keine Lust darauf, eine Magengrippe kam mir gelegen, so blieb ich eine Woche im Blindenheim. Die Langeweile war groß, doch passend am Montag kam ein Hörbuch an. So starteten meine Klassenkameraden in ihre erste Praktikumswoche und ich begann mit Vom Winde verweht.

Ein Roman, welchen ich inzwischen sieben oder achtmal gelesen oder besser gesagt, gehört habe. Ich höre es oft, dieser Roman ist nicht zeitgemäß, er ist nicht politisch korrekt, bla, bla, bla. Für die Zeit, in der dieser Roman entstanden ist, ist er richtungsweisend und es ist eine Liebeserklärung an eine großartige Protagonistin.

Die Junge Scarlett O. ist ein verwöhntes Ding. Sie versteht es den Männern die Köpfe zu verdrehen, so lernen wir sie kennen. Ganz schön langweilig denkt der eine oder andere von euch, doch es bleibt nicht dabei, Scarlett erlebt viele Schicksalsschläge, Sie landet im Dreck, muss sogar gegen ihren Hunger kämpfen.

Eine Szene, die mich jedes Mal zu Tränen rührt: Die schwarzen Farmarbeiter:innen, welche die Baumwolle geerntet haben sind alle weg. Um finanziell wieder auf die Beine zu kommen, muss Scarlett mit ihrer Familie ran, sie beginnen die Baumwolle zu pflücken. Eine ihrer Schwestern beklagt sich, das ist nicht dein Ernst, dafür sind meine Hände nicht gemacht. Scarlett aber sagt, wer essen will muss arbeiten. Wenn ihr es genauer wissen wollt, dann folgt dem Link:

Scarlett stellt es dem Hauspersonal frei zu gehen, im Grunde genommen wäre es ihr lieber, wenn die ehemaligen schwarzen Angestellten nicht mehr da wären, Sie hat schon genug Mäuler zu stopfen.
Ihr früheres Kindermädchen, erklärt jedoch, dass alle mithelfen die Farm zu retten. So arbeiten alle gemeinsam auf dem Feld, ganz gleich ob schwarz oder weiß. Wenn ihr diese Szene gelesen habt werdet ihr die Diskussionen, ob vom Wind verweht noch zeitgemäß ist auch nicht verstehen.

BLACK LIVES MATTER

Der Tod von Goerge Floyd löste eine ungeahnte Lawine aus, die BLACK LIVES MATTER Bewegung war geboren. In Deutschland nahmen wir, das heißt meine Frau und ich, das nur am Rande war, wir hatten genug eigene Probleme persönlicher Art. Wenn wir eine TV-Serie sehen die 2020 gedreht wurde, dann wird das Thema Diskriminierung und Rassenunruhen extrem thematisiert. Menschenmassen auf den Straßen, die Schilder mit dem Schriftzug Goerge Floyd hochhalten, der absolute Wahnsinn. Der Polizist, der durch seinen Einsatz den Tod von Goerge Floyd herbeigeführt hatte, wurde in erster Instanz freigesprochen, das ließ die Stimmung noch einmal hochkochen. Der Fall wurde noch einmal aufgerollt, neu verhandelt, und zweieinhalb Jahre später erfolgte die Verurteilung.


In der TV- Serie 911 gibt es eine extrem verstörende Szene: Ein Familienvater wird von einem Polizisten raus gewunken. Der Familienvater hat auf der Rückbank seine Kinder sitzen, eine Teenager Tochter und einen etwas jüngeren Sohn. Der Familienvater ist schwarz, der Polizist ist weiß. Der Polizist schikaniert den Vater. Der Vater bleibt erstmal ruhig, doch jeder Mensch hat nur einen kleinen Vorrat an Geduld. Als der Polizist der Tochter ihr Handy abnehmen will, sie war so frech, die ganze Situation zu filmen, ist die Geduld des Vaters aufgebraucht. Er greift den Polizisten an, wird dann von diesem mit der Waffe bedroht.
Ich bleibe bei der Schilderung dieser Szene sehr vage, weil ich nicht spoilern will. Fans dieser Serie werden ahnen, um welchen Vater es sich handelt. Diese Episode zeigt aber was für einen Einfluss der Tod von George Floyd auf die amerikanische Gesellschaft hatte. Ich sage nur, Oskar Verleihung.


Es ist nicht schön, dass man erst ein Menschenleben beklagen muss, damit ein Umdenken stattfindet. Heute ist der 18.Januar 2023. Dieser Blog wird in einigen Tagen erscheinen, ich nahm an, dass alles gesagt wäre, was ich sagen wollte, doch heute Morgen hörte ich im Radio, dass erneute Revision des Urteils heute beginnt. Der Polizist, der George Floyds Leben nahm, könnte freigesprochen werden. Die Nordamerika-Korrespondentin erklärte, dass der Polizist auf unschuldig plädiere. Die Geschichte wird das Urteil irgendwann einordnen.

Über den Tellerrand gucken

Ich kann hier nicht als Prediger auftreten, ich muss mir dann auch mal an die eigene Nase fassen. Als ich 1999 mit dem Schreiben begann, war meine Welt eher weiß als schwarz. Mein erster Roman Sie die Träumen, der letzte der erschien, der erste den ich schrieb, hat nur weiße Protagonisten. Eigene Charaktere sind Franzosen, ich habe auch einen Iren, der eine kleine Nebenrolle spielt, doch sonst herrscht keine Diversität. Die Romane, die ich bis zu diesem Datum las, waren alles andere als von bunten Charakteren erfüllt. Das Problem ist, möchte man etwas über die Südamerikanische Kultur wissen, sollte man Südamerikanische Schriftsteller:innen lesen. Möchte man etwas über die chinesische Kultur wissen, dann liest man etwas von chinesischen Schriftsteller:innen. Wenn man etwas über die afrikanische Kultur erfahren will, dann schaut man welche Schriftsteller:innen die verschiedenen Länder zu bieten haben, weil so etwas wie eine afrikanische Kultur gibt es gar nicht, es sind viele verschiedene Länder. Das einzige Buch, das ich bis 1999 gelesen hatte, was ein wenig mit Afrika zu tun hatte war Rote Sonne, Schwarzes Land von Barbara Wood. Wer diese Autorin kennt, wird ahnen, dass man nichts über die keanische Kultur erfährt, die Liebe zweier Menschen steht im Vordergrund. Etwas für einen verregneten Sonntag, gerne nachlesen:

Mich persönlich treibt so etwas um, ich ärgere mich über mich selbst, frage mich, warum ich so verblendet bin. Ich habe mir fest vorgenommen in meinen kommenden Büchern dem kulturellen Aspekt viel mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Hoffentlich denken andere Schriftsteller:innen genauso, weil die Literatur dadurch eine Bereicherung erfährt. In Serien und Filmen funktioniert das, lasset es uns auch in der Literatur schaffen. Auf das die Hautfarbe irgendwann einmal nicht mehr wichtig ist.


Denkt immer daran, Literatur ist Leben.

Eure Desirèè Ange