Er reitet durch die Nacht. An seinem Leib der Brief des Königs, eine geheime Botschaft. In der Ferne erhebt sich drohend ein Wald, hat er dort ein Feuer gesehen? Er zügelt das Pferd, überlegt sich eine Strategie. Wie wird er sich verhalten? Soll er sich in Gefahr begeben? Die Botschaft muss er mit seinem Leben schützen.
Eine Erinnerung
Im Alter von zwölf Jahren besuchte ich in den Osterferien meinen Vater. Die Wohnung meines Vaters hatte die Größe eines Kleiderschranks. Aus diesem Grund trafen wir uns bei meinem Onkel. Es war ein lustiges, verlängertes Wochenende, ein echter Männerhaushalt. Wir aßen, worauf wir Lust hatten, Hauptsache, es hatte keine Vitamine und wir guckten fern. Die Schatzinsel, Karate Kid undder Kurier des Zaren. Die Romanverfilmung des Jules Verne Klassikers ließ mich mit offenem Mund auf dem Sofa zurück. Was für eine Leidenschaft, der Hauptdarsteller war zwar ein wenig überzeichnet, doch gefiel mir das gerade sehr gut. Als Grundschulkind hatte ich meine Liebe zum Theater entdeckt und der Film ähnelte einem tollen Bühnenstück. Der Kurier des Zaren musste sich Gefahr begeben. Er musste sich mit einem Geden behelfen, musste reiten und laufen, als wären hungrige Löwen hinter ihm her. Erst einige Jahre später, erfuhr ich, dass der moderne Dreikampf in der Tradition dieser kaiserlichen Boten steht.
Wofür braucht man den Boten
In der Literatur begegnen uns Boten in Fülle. Geht doch einmal an euer Bücherregal und zieht euch ein beliebiges Buch heraus. Auf den ersten 60 Seiten werdet ihr auf einen oder mehrere Boten stoßen. Mein Lieblingsroman war lange Zeit Die Unendliche Geschichte von Michael Ende. Der sympathische Romanheld Bastian stiehlt ein Buch. In der Sekunde der Tat wird ihm sein Handeln bewusst. Er hat etwas an sich genommen, was ihm nicht gehört, doch er muss diesen Gegenstand haben. Es ist ein Buch, Die Unendliche Geschichte. Bastian kann nicht zur Tagesordnung zurückkehren, er müsste in den Unterricht. Er geht zur Schule, doch verkriecht er sich auf dem Speicher. Hier beginnt er zu lesen. Wir erleben die Erzählung durch seine Augen. Ein Bote ist unterwegs, es ist ein Irrwicht, der zur kindlichen Kaiserin will. Dieser Irrwicht hat eine schlimme Nachricht. Seine Heimat wird bedroht. Der Irrwicht begegnet auf einer Lichtung anderen Boten, alle haben dieselbe Nachricht zu überbringen. Als Leser Der unendlichen Geschichte war ich voller Neugierde, wie die Geschichte weiter geht. Die Boten hatten ihr Ziel erreicht. Sie hatten mich in die Geschichte entführt. Wenn ihr auf den Geschmack gekommen seid und in Die unendliche Geschichte abtauchen wollt, folgt diesem Link: https://www.amazon.de/Die-unendliche-Geschichte-Michael-Ende/dp/3522202600/ref=sr_1_1?crid=2TKOGMET7AVEK&keywords=die+unendliche+geschichte+buch&qid=1661956914&sprefix=die+une%2Caps%2C85&sr=8-1
Der Irrwicht und die übrigen Boten verkörpern nicht den Kurier, den Boten in der unendlichen Geschichte.
Mein Blog baut aufeinander auf, wenn ihr ihn chronologisch lest, werdet ihr nach und nach begreifen, wie ein Roman strukturiert ist. Bisher habe ich noch nichts vom Ruf des Abenteuers geschrieben, doch diese erste Episode in der unendlichen Geschichte, stellt diesen Ruf des Abenteuers dar.
Zurück zur unendlichen Geschichte. Unzählige Boten eilen an den Wohnsitz der kindlichen Kaiserin. Sie ist todkrank. Die angesehenen Ärzte in Phantàsien haben sie untersucht, doch keiner weiß, was ihr fehlt. Den berühmtesten dieser Ärzte, einem Zentauren entsendet sie zu einem Helden, der Phantàsien retten soll. Der Bote kommt jetzt endlich ins Spiel. Es ist dieser berühmte Arzt, dieser Zentaur, der die Reise zu den Jägern antritt. Als Leser der unendlichen Geschichte erfahren wir nichts von der langen und beschwerlichen Reise. Wir erfahren, das er seine Botschaft überbringt, lesen, dass er entkräftet ist, das ist es. Michael Ende hat in der unendlichen Geschichte einen wunderschönen Satz geprägt.
„Doch das ist eine andere Geschichte und soll ein anderes Mal erzählt werden.“
Die verschiedenen Gestalten des Kuriers
Es muss kein Mensch sein, kein Fabelwesen, der Kurier kann auch ein Brief sein oder eine Botschaft an einem Spiegel.
Eine Frau betritt ein Geschäft. Sie möchte Zutaten für einen Kuchen kaufen, vielleicht Eier und Mehl? Nachdem Sie den Laden betreten hat steht Sie orientierungslos auf der Stelle. Wo befindet Sie sich? Was will Sie hier? Warum hat Sie so viel Geld in ihren Manteltaschen? Der Frau ist sehr heiß, der Mantel ist viel zu dick für die Jahreszeit, die Frau bittet den Verkäufer, auf die Toilette gehen zu können. Er erlaubt es ihr widerwillig. Als Sie ihren Mantel auszieht, bemerkt Sie, dass ihr Kleid Blut verschmiert ist.
Joy Fielding gelingt mit dieser Eröffnungssequenz in ihrem Thriller Lauf Jane Lauf etwas Phänomenales. Wir Leser sind augenblicklich gefesselt. Es wird uns nicht gelingen dieses Buch weg zu legen. Eine weitere durchwachte Nacht steht uns bevor. Wer sich auf die Fährte der zunächst namenlosen Frau begeben will, kann ihre Geschichte hier nachlesen: https://www.amazon.de/Lauf-Jane-German-Fielding-Taschenbuch/dp/B011DBJT1A/ref=sr_1_5?crid=S1FSPNEVCEK7&keywords=lauf+jane+lauf+joy+fielding&qid=1662559179&sprefix=Lauf+Jane%2Caps%2C117&sr=8-5
Die Namenlose wendet sich im weiteren Verlauf des Romans an die Polizei, Sie kommt ins Krankenhaus, dort geschieht etwas Fantastisches, Sie wird erkannt. Sie ist die Ehefrau eines Arztes, ihr Name ist Jane Whittaker. Die Krankenschwester, ich weiß nicht mehr genau, ob es eine Krankenschwester ist, wird in dieser Situation unsere Botin. Durch Sie wird der Thriller in einekomplett andere Richtung gelenkt.Wenn ihr mehr wissen wollt, besorgt euch das Buch. Der Kurier ist und da werdet ihr mir jetzt zustimmen, wichtig. Ganz gleich in welcher Gestalt der Kurier auftritt, die Handlung wird vorangetrieben.
Wir lernten die Held:innen kennen. Wir haben erfahren, dass sie nicht immer strahlend und gut sein müssen. Es dürfen auch kaputte Held:innen auftreten. Bei den Antagonist:innen, ist es das selbe. Je komplexer ein Gegenspieler sich präsentiert, desto spannender ist er. Heute haben wir etwas über den Kurier erfahren. Der übernächste Blog kümmert sich um den Lehrmeister:innen.
Denkt immer daran, Literatur ist Leben.
Eure Desirèè Ange.
